Böckel in der Presse – 2012

Russischer Musik-Sommer
Petersburger Solisten begeistern bei Kammerkonzert auf Gut Böckel das Publikum
von Lukas Schmiedekamp
Erschienen in "Neue Westfälische", Bünde, 27.08.2012

Rödinghausen. Der "russische Sommer" hat auf Gut Böckel schon eine langjährige Tradition. Zum achten Mal waren junge Künstler aus St.Petersburg zu Gast. Beim "kleinen Konzert" am Freitagabend spielten Absolventen des Rimski-Korsakow-Konservatoriums.
Mit Spannung und großer Vorfreude erwarteten die festlich gekleideten Gäste das Konzert des Kammerorchesters im Haferhaus des Gutes. (…) Der "russische Sommer" auf Gut Böckel lässt die Tradition des Hauses aufleben. "Vor 13 Jahren wurde aus einer Idee, Musik", sagt Ernst Leffers. Das Kulturereignis ein eine Hommage an den sogenannten "Zuckerkonig" Leopold Koenig, der in St. Petersburg lebte und den Besitz 1874 kaufte.
In Erinnerung an seine Enkelin und langjährige Eigentümerin von Böckel, die Dichterin Hertha Koenig, sollte der musikalische Faden wieder aufgenommen werden. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte sie dort Konzerte unter freiem Himmel veranstaltet.
"Um vom Wetter unabhängig zu sein, renovierten wir den ehemaligen Kuhstall und bauten eine Bühne", so Leffers. Im Jahr 2000 gab dort die Nordwestdeutsche Philarmonie ein Konzert. Seitdem werden das alte Haferhaus für Konzerte und die zweite Scheune, das Roggenhaus, für die Bewirtung genutzt.
In seiner Ansprache bedankte sich Ernst Leffers beim Publikum für die langjährige Treue. "Für meine Familie und mich ist das Gut Böckel ohne Musik gar nicht mehr zu denken". (…)

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Widerspenstige Noten und voller Klang
Studenten des Rimsky-Korsakow-Konservatoriums St. Petersburg spielen beim Russischen Sommer
von Marold Osterkamp
Erschienen in "Bündner Zeitung", 27. August 2012

Bünde/Rödinghausen. (BZ). Kaum jemand kennt die Namen der Solisten, doch ihr Konzert ist schon seit langem ausverkauft. Die Reise "Petersburger Solisten" auf Gut Böckel bürgt für Qualität.
Sie ist seit einigen Jahren Teil des "Russischen Sommers" und gibt jungen Musikern des renommierten Rimsky-Korsakow-Konservatoriums in Petersburg Gelegenheit, sich einem größeren Publikum vorzustellen. Musikfreunde in der Region wissen, dass zu diesen Konzerten die besten Musiker der einzelnen Klassen kommen und dass sie einen unvergleichlichen Abend im malerischen Haferhaus des Gutes erleben dürfen. (…)
Hausherr Dr. Ernst Leffers erinnerte in seiner Begrüßung an die bisherigen Konzerte mit zum Teil außergewöhnlichen Instrumenten, diesmal musizierte ein traditionelles Klavierquartett. (…)
Es ist Musik, die wunderbar zum lauen Sommerabend auf Gut Böckel passt.
(Das Kammerkonzert bietet in jedem Jahr Raum für Experimente, denn hier erklingen auch weniger bekannte Kompositionen und Werke zeitgenössischer Musiker.) Leonid Desyatnikov (56) gehört zu den renommiertesten Komponisten Russlands, schrieb Filmmusik, viel diskutierte Opern, Kammermusik und vertonte Rilke-Gedichte, womit der Bogen zu Gut Böckel gespannt ist, wo Rilke einst ein paar Monate lebte. (…) Wieder erfüllte das Kammerkonzert des "Russischen Sommers", der mit einem Konzert der Nordwestdeutschen Philharmonie fortgesetzt wurde, die hohen Erwartungen. Die Solisten des Abends werden sicher ihren Weg machen.

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Wenn Hannelore Elsner Rilke trifft
Lesereihe "Wege durch das Land" in Ostwestfalen bietet Begegnungen/Stahlkraft bis ins Münsterland
Von Beate Depping
Erschienen in "Westfälische Nachrichten", 24. Mai 2012

Detmold/Rödinghausen. "Jetzt geht dein Wachsen über mich hinaus: Du bist der Werdenste der wird." (…) Und noch einmal lässt Hannelore Elsner die Rilke-Worte erklingen (…) In diesem Augenblick und der nun folgenden Wiederholung wird der ganze sinnlich-intellektuelle Genuss greifbar, den die versierte Schauspielerin sich und ihren Zuhörern jetzt mit der Lesung beim Literatur- und Musikfest "Wege durch das Land" auf Gut Böckel in Rödinghausen im Kreis Herford zu bereiten vermochte. (…)
Wobei die ebenfalls vorgetragenen Auszüge aus den Briefen der Worpsweder Malerin an Rilke nicht nur den Vortrag zu einem anrührend-gefühlsgetragenen Dialog geraten ließen, sondern überdies deutlich machten, wie sehr sich hier zwei ebenbürtige Künstler begegnet waren. Insofern also erlebte das verwöhnte Publikum beides: eine Rilke-Abend ebenso wie eine geradezu persönliche Begegnung mit einem Star der deutschen Film-und Fernsehwelt. (…)
Neben einer beachtlichen Gemeinschaftsleistung wurde das Konzert mit Lesung getragen von virtuosen Instrumentaldarbietungen, bei denen vor allem Michael Riessler und die Klarinettistin Sabine Meyer hervorzheben sind.
Lesung und Konzert auf Gut Böckel, in dem Rilke immer wieder thematisiert wird, weil der Dichter sich nach grausigen Kriegserfahrungen hier 1917 einige Wochen lang als Gast von Schriftstellerin und Gutsbesitzer-Tochter Hertha Koenig aufgehalten hat, waren der zweite Höhepunkt der 13. Saison von "Wege durch das Land". (…)

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Hannelore Elsner auf Rilkes Spuren
Gut besuchte Lesung auf Gut Böckel
Von Marita Kammeier
Erschienen in "Meller Kreisblatt", 19./20. Mai 2012

Rödinghausen. Eine von 20 Stationen des ostwestfälischen Literatur- und Musikfestes "Wege durch das Land" war am Wochenende auf Gut Böckel. Die Lesungen von renommierten Film- und Theaterschauspielern - Hannelore Elster und Dominique Horwitz - begleitete das "Trio di Clarone", eines der ungewöhnlichsten Kammerensembles Deutschlands.
Wie schon Rainer Maria Rilke vor hundert Jahren flanierten die 600 Besucher in der klaren Maisonne über drei Wassergräben, durch zwei Torhäuser, vorbei am klassizistischen Herrenhaus und den großzügig blühenden Rhododendren zum historischen Kuhstall. (…)
Vier Stunden später lag magische Stimmung über dem erleuchteten Park, (…) Ein rundum erfüllter Kulturabend nahm sein Ende - er hätte dem Dichter gefallen.

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Poetische Beschreibungen des Alltäglichen
"Wege durch das Land" mit Autogrammstunde: Hannelore Elsner und Dominique Horwitz auf Gut Böckel
Von Thomas Klüter.
Erschienen in "Neue Westfälische", Nr. 116, 19./20. Mai 2012

Schon der Weg zum "Alten Kuhstall" auf dem Gelände des Gut Böckel versetzte die Besucher in eine andere Zeit. Über drei Wassergräben, durch zwei Torhäuser erreichten die Gäste den Platz vor dem klassizistischen Herrenhaus. Wie Rilke vor mehr als 100 Jahren. 600 Literaturinteressierte aus ganz Deutschland tauchten ein in diese andere Welt.
Anlass war am Himmelfahrts-Donnerstag die Lesung von Hannelore Elsner und Dominique Horwitz im Zuge des Literatur- und Musikfestes "Wege durch das Land". (…) Im ersten Teil las die bekannte Schauspielerin aus dem Briefwechsel zwischen Rainer Maria Rilke und der Malerin Paula Moderson-Becker. (…) Sie (…) zog die Zuhörer vollends in ihren Bann. (…) Im zweiten Teil der Veranstaltung trug Dominique Horwitz Gedichte von Rainer Maria Rilke vor. Untermalt und begleitet wurde er vom Trio di Clarone und den Musikern Michael Riessler und Jean-Louis Matinier. Alle hochkarätig in ihrem Bereich. (…)

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Heiteres vom Melancholiker
Hannelore Elsner, Sabine Meyer und Dominique Horwitz würdigen Rilke!
Von Marold Osterkamp.
Erschienen in "Westfalen-Blatt", Nr. 116, 19./20. Mai 2012

Dominique Horwitz gibt den Gedichten Rilkes ein neues Leben. Er rezitiert sie nicht, sondern spielt sie, unterstützt von fünf erstklassigen Musikern. Das Programm »Die andere Seite der Luft« gehört zu den Höhepunkten der Reihe Wege durch das Land.
Rilke bezeichnete die Musik als »andere Seite der Luft«. Das nehmen Horwitz, das Trio di Carone, der Bassklarinettist Michael Riessler und Akkordeonspieler Jean-Louis Martinier auf Gut Böckel wörtlich und unterlegen die Gedichte mit einem musikalischen Teppich, der zusammengeknüpft ist aus modernen Klängen von Riessler und klassischen Kompositionen von Bach bis Pergolesi. (…)Der Jubel ist groß im wie immer ausverkauften Haus und beschert den Gästen noch eine Zugabe.
(…) Rilke, der im Spätsommer 1917 einige Wochen auf Gut Böckel gelebt hat, stand auch im ersten Teil des Abends im Mittelpunkt. Die große Schauspielerin Hannelore Elsner las mehr als eine Stunde lang Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Gedichte, die Paula Modersohn Becker zum Thema hatten. Rilke spürte eine Seelenverwandtschaft mit ihr. Davon erzählte er Hertha Koenig bei seinem Besuch in Bieren. (…) Die Lesung machte es dem Zuhörer nicht leicht, denn wer kennt schon die verzwickte Beziehung Rilkes zu Paula Becker? Doch da war ja noch die unverwechselbare warme Stimme von Hannelore Elsner. Ihr zu lauschen war das eigentliche Ereignis am Beginn des kühlen Maiabends

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FAZ: "Die sicher ungewöhnlichsten Festspiele im Land": Wege durch das Land auf Gut Böckel
Erschienen in www.livinginowl.wordpress.com, 18. Mai 2012

(…) Gestern Abend jedenfalls lebte der Verfasser der "Duineser Elegien" auf (…), als die großartige Hannelore Elsner aus dem Briefwechsel Rilkes mit der so früh verstorbenen Malerin Paula Modersohn-Becker vor ausverkauftem Kuhstall las. Die Linde draussen im Park, unter der der Dichter 1917 bei seinem spätsommerlichen Besuch auf Gut Böckel bei Rödinghausen so gerne saß, Herta Koenig vorlas und tiefe Gespräche führte, rauschte leise, als die Intendantin und Mitschöpferin des Kultur- und Musikfestivals "Wege durch das Land" (…) Dr. Brigitte Labs-Ehlert die immer noch attraktive und mädchenhaft zarte Hannelore Elsner begrüsste und eine Einführung in den zauberhaften Abend gab. (…)
Das, genau das, ist der Zauber und Erfolg des Festivals "Wege durch das Land": Alte Texte, gelesen von bekannten Schauspielern, in Kontrast gesetzt zu heutigen Texten und Musik an Orten, die OWL nahezu einzigartig machen. Dr. Ernst Leffers, heutiger Gutsherr, der Gut Böckel wieder zu dem gemacht hat, was es einmal war: "Das ist schön. Heute sind auch wir Gast und stellen gerne eine schöne Kulisse mit historischem Hintergrund". (…)

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Hoch lebe die Provinz!
Von Andreas Rossmann.
Erschienen in "FAZ", 28. April 2012

Gut Böckel in 32289 Rödinghausen, .. Kennen Sie? Nein? Eine Bildungslücke ist das nicht. Aber verpasst haben Sie etwas! (…) Rainer Maria Rilke, (…) Klar, kennen Sie. Aber dass Rilke sich im Spätsommer 1917 auf Gut Böckel, wo die Schriftstellerin Hertha Koenig ein offenes Haus führte, aufgehalten hat. (…) Gut Böckel, der Bökerhof, Schloss Wendlinghausen – das sind Schauplätze der vielleicht eigensinnigsten, sicher ungewöhnlichsten Festspiele im Land: Drei von mehr als zwanzig in diesem Jahr, drei von fast einhundert, denn jedes Mal kommen neue hinzu, die "Wege durch das Land" das im Jahr 2000 gegründete Literatur- & Musikfest in Ostwestfalen-Lippe, bisher (auf) gesucht hat.
Rainer Maria Rilke, Annette von Droste-Hülshoff, Johann Wolfgang von Goethe. Klar, kennen Sie. Aber dass Rilke sich im Spätsommer 1917 auf Gut Böckel, wo die Schriftstellerin Hertha König ein offenes Haus führte, aufgehalten hat und auch Frank Wedekind und Oskar Maria Graf dort verkehrten, (…) – das wussten Sie sicher nicht. Wusste niemand.
Doch eine hat es herausgefunden: Brigitte Labs-Ehlert, die Leiterin des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe in Detmold.
Flucht in die Idyllhört sich anders an. „Wege durch das Land“ mögen an abgelegenen Orten in heckengeschützten Herrenhäusern und verwunschene Parks führen, der Welt abgewandt sind sie nicht. Es ist nicht möglich, mal eben dort vorbei zu kommen oder in den Zug oder Bus zu steigen und sich dort absetzten zu lassen, kein Luxushotel und keine Lachsschnitten erwarten die Besucher. (…)
Über holprige Landstraßen und ehrwürdige Alleen hinzufinden und die schöne, sanft abwechslungsreiche ostwestfälische Landschaft zu erfahren, ist Teil des Programms: Entschleunigung und Einstimmung. (…) Schlösser und Adelssitze, oft auch, weil sie mehr Platz bieten, ihre Scheunen und Ställe , Klöster und Industriedenkmäler werden bespielt, Die Natur schafft mehr als eine lauschige Atmosphäre, das alte Gemäuer mehr als eine historische Kulisse.
Wie Orte und Worte dabei aufeinander bezogen werden, muss sich nicht unbedingt reimen: Das scheinbar Unvereinbare wird hier so zusammengebracht, dass es sich anders wahrnehmen lässt. Das macht jede Veranstaltung zu einem Unikat und unverwechselbar.

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Cézanne taugt nicht viel
Rainer Maria Rilkes Briefe vom ungeliebten Gut Böckel
Erschienen in "FAZ", 29. März 2012

Auf einem Fest in der Berliner Grunewald-Villa der Verlegers Samuel Fischer lernten sie sich 1910 kennen: Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926), der vielbewunderte Dichter, und die schöne junge Lyrikerin Hertha Koenig(1884 bis 1976), (…) Aus der ersten Begegnung entstand eine beglückende Freundschaft, die in Rilkes Briefen von 1974 bis 1921 an Hertha Koenig dokumentiert ist. (…) Vom 24. Juli bis zum 2. Oktober 1917 lebte Rilke auf Gut Böckel, das Hertha Koenig ihm als Zufluchtstätte aus seiner Lebenskrise anbot. Siebzig Tage war er dort und schrieb in dieser Zeit fünfzig Briefe, die jetzt in einem Band veröffentlich sind und den Dichter bisweilen von einer wenig einnehmenden Seite zeigen. Dankbar schildert er zwar die herzliche Gastfreundschaft von Hertha Koenig, Enkelin des in Russland steinreich gewordenen "Zuckerkönigs", der 1874 Gut Böckel erwarb. Doch der Ort findet vor seinen Augen keine Gnade: (…) Angesichts des unverändert reizvollen Erscheinungsbilds von Böckel, das heute als "Kunst & Kultur Gut" betrieben wird, wirkt dieses negative - später mildere - Urteil mehr als seltsam. (…) Rilkes teilweise bisher unveröffentlichte Briefe aus Böckel weisen ihn, kaum überraschend, vor allem als genialen Netzwerker avant la lettre aus. So hält er Kontakt mit Stefan Zweig, mit Verlegern wie Katharina und Anton Kippenberg, mit Bankiers und Sammlern. Dem Astronomen Erwein von Aretin schildert er seine seltene Himmelserscheinung, und der Künstlerin Elisabeth Taubmann, warum Cézanne nichts tauge. (…) Doch die schönsten Briefe sind an zahlreiche adlige Damen gerichtet: "Liebe Sidie, welches Heimweh, Phlox zu athmen und nicht bei Ihnen zu sein", schreibt er an Sidonie Nádherny von Borodin nach Janowitz, und: "Ist Karl Kraus bei Ihnen?"

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Goethe sucht das Himmelreich
Auf Gut Böckel sprach der Kulturhistoriker Manfred Osten über "ungeheuerliche Prophetien" im zweiten Teil der Faust-Tragödie
Erschienen in "Neue Westfälische", 8. März 2012

Rödinghausen (fei). Wohl nur wenige würden Johann Wolfgang von Goethe, den geistigen Vater der Weimarer Klassik, mit biblischen Gedanken zu Gottes Himmelreich in Verbindung bringen. Am Mittwoch aber wagte sich der Autor und Kulturhistoriker Manfred Osten an eben diese Verknüpfung, als er dem Gut Böckel auf Einladung der Hertha-König-Gesellschaft einen Besuch abstattete. Dass er in Goethes Werk gar eine "ungeheuerliche Prophetie" für die moderne Gesellschaft verortete, war dabei weit mehr als nur eine Randnotiz. An passender Stelle aufgeschlagen lag die große Bibel in der Guts-Kapelle. (…)