Böckel in der Presse – 2011

Jenseits der Wirklichkeit
Hertha-Koenig-Preis an Alissa Walser und Nadja Einzmann verliehen
Erschienen in "Neue Westfälische", 24. Oktober 2011

Rödinghausen (tom). Alissa Walzer erzähle "für alle Sinne". Die Schriftstellerin nehme den Leser mit auf eine Reise "zu Regionen, die unterhalb der klaren, eindeutigen, grell ausgeleuchteten Oberfläche liegen." So deutete Alf Mentzer in seiner Laudatio Alissa Walsers Roman "Am Anfang war die Nacht Musik", für den die Autorin am Freitagabend auf Gut Böckel im Kreis Herford den mit 4.000 Euro dotierten Hauptpreis des Hertha-Koenig-Literaturpreises erhielt.
"Der Roman stellt die alles überragende Kraft der Einbildungskraft unter Beweis", sagte Mentzer, Leiter der Literaturredaktion des Hessischen Rundfunks. (…)
Im Anschluss las Alissa Walser aus ihrem Roman und stellte die 37-jährige Autorin Nadja Einzmann vor. Einzmann wurde auf Walsers Vorschlag hin mit dem Förderpreis (1.000 Euro) des Hertha-Koenig-Preises ausgezeichnet. (…)
Der ostwestfälische Literaturpreis wurde von der Hertha-Koenig-Gesellschaft zu Ehren der auf Gut Böckel geborenen Schriftstellerin Hertha Koenig (1884-1976) gestiftet. Frühere Preisträger des 2004 erstmals verliehenen Preises waren Irina Korschunow, Ulla Hahn (2006) und Jenny Erpenbeck (2008).


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Großes Kino auf der literarischen Bühne
»Wege durch das Land« auf Gut Böckel mit Film- und Bühnenstar Charlotte Rampling
Erschienen in "Westfalen Blatt", 4. Juli 2011

Rödinghausen (WB). Eine britische Schauspielerin liest auf Gut Böckel in französischer Übersetzung und Sprache Texte der deutsch schreibenden Autoren Rilke und Kafka. Kurios – zumal die Übersetzungen, also die deutschen Texte ausliegen, aber faszinierend zugleich.
Möglich ist so etwas bei den literarischen Wegen durch das Land, die erneut auf dem Gut der Familie Leffers in Rödinghausen-Bieren Station machten.
In diesem Jahr präsentierten sie einen Star des Hollywood-Kinos und des europäischen Kinos. Charlotte Rampling, die seit vielen Jahren in Frankreich lebt, ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts. Das französische Ensemble Niguna der amerikanischen Cellistin Sonia Wieder-Atherton spielt Musik aus der Mitte Europas, knüpft an jüdische Traditionen an und bildet einen musikalischen Spannungsbogen zwischen Rachmaninow und Gustav Mahler. Die Musik wechselt zwischen Melancholie und Lebensfreude. (…) Eigentlich wurde der Philosoph Peter Sloterdijk auf Gut Böckel erwartet, der gemeinsam mit dem Kulturhistoriker Manfred Osten, ausgehend von Rilkes Aufforderung »Du musst dein Leben ändern«, über Sloterdijks viel diskutiertes Werk mit dem gleichen Titel sprechen sollte. Sloterdijk musste den Termin wegen eines Unfalls absagen, sehr zur Enttäuschung der »Sloterdijkianer«, die zum Teil von weit her nach Bieren gekommen waren.
Manfred Osten war nun ganz allein und faszinierte das Publikum im restaurierten Kuhstall mit einem frei gehaltenen Vortrag über Sloterdijk und seine Weltsicht. Osten ist ein Weltbürger mit profundem Wissen und Humor. Ausgehend von Rilkes »Archaischer Torso Apollos«, das mit dem Satz »Du musst dein Leben ändern endet und der fünften Elegie, beide Anknüpfungspunkte für Sloterdijk, führt Osten nicht ohne eigene Anmerkungen und Einsichten durch das Panorama des 700-Seiten-Werks. (…)


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Junge Virtuosen in historischem Ambiente
Petersburger Solisten eröffnen den Russischen Sommer auf Gut Böckel
Erschienen in "Neue Westfälische", 18. Juni 2010

VON PHILIPP TENTA
Kreis Herford/Rödinghausen. Mit Rimskij-Korsaov als Einstiegsdroge begann ein fulminanter Konzertabend auf Gut Böckel. Sein umfangreiches Werk zeichnet sich durch brillante Instrumentierung und harmonische Experimentierfreudigkeit aus. Sein Quintett für Holzbläser und Klavier gehört hingegen zu einer Reihe Kompositionen, die sich in einem beinahe diatonischen Klangraum bewegen. Die bewusst gewählte musikalisch-pastorale Schlichtheit wirkt zwar heute etwas altväterlich, die virtuose Stimmführung der Instrumente gab den jungen Interpreten aber reichlich Gelegenheit, ihr hohes Können unter Beweis zu stellen. Dabei wirkten sie aber nie wie virtuose Schwerarbeiter, sondern stets entspannt und gut gelaunt. (…) Mit Rimskij-Kosakovs berühmt-berüchtigten Hummelflug wurde das Publikum anschließend in die Pause entlassen. (…) Wer diese Komposition als schweißtreibenden Hochleistungssport für Möchtegern-Virtuosen in Erinnerung hatte, wurde von den Petersburger Solisten eines Besseren belehrt. Trotz atemraubender Geschwindigkeit wirkte hier der Hummelflug wie eine charmante, humorvolle Spielerei, die virtuose Herausforderung konnten die Interpreten anscheinend als Nebensache behandeln. Die kulinarische Pause bot anschließend Gelegenheit sich auf hohem Niveau lukullisch zu stärken, die Parkanlagen auf Gut Böckel neu zu entdecken sowie einem freundschaftlich konkurrierenden Vogelkonzert zu lauschen.…Das zum Abschluss gespielte musikalische Schäferstündchen von Jean Francaix gehört sicher zu den Meisterwerken der Kategorie "Musikalischer Humor". Mit schrägen Harmonien und verfremdeten Klangfarben zaubert Jean Francaix alternde Schönlinge und Pin-up Girls in den Konzertsaal um das Zusammentreffen mit einem aberwitzigen, von Ragtime und Jazz inspirierten, Finale zu krönen.

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Zwischen Melancholie und Emphase
Solisten aus Petersburg brillieren mit traditioneller russischer Musik auf Gut Böckel
Erschienen in "Bünder Zeitung“, 18. Juni 2011

VON MAROLD OSTERKAMP
Rödinghausen/Bünde. Die Hummeln fliegen gleich zweimal am ersten Abend des 12. Russischen Sommers auf Gut Böckel. Im Haferhaus spielten einmal mehr junge Solisten aus Petersburg. Dass sie zur musikalischen Elite des Landes gehören, ist längst kein Geheimnis mehr.
In jedem Jahr überrascht die Familie Leffers mit erstaunlichen Musikerinnen und Musikern, deren perfektes Ensemblespiel fernab jeder Routine zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres in der Region zählt. (…) Hinzu kommt bei den meisten Werken des Abends die Pianistin Alexandra Meschtscherjakova, eine Absolventin des Petersburger Konservatoriums. Ihr sehr flüssiges und akzentuiertes Spiel ist die treibende Kraft im wunderbar aufeinander eingespielten Sextett. Das wird deutlich in der unbeschwerten Leichtigkeit von Rimskij Korsakows wenig bekanntem Quintett für Bläserquartett und Klavier mit schwelgerischem Wohlklang und stärker noch in den beiden französischen Werken des zweiten Teils. (…)


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Bitte regenfeste Kleidung anziehen!
Immer öfter werden ganze Kulturlandschaften bespielt.
Erschienen in "Süddeutsche Zeitung", 7. Mai 2011

(…)Und darum spricht in diesem Jahr Peter Sloterdijk im ehemaligen Kuhstall des Gutes Böckel über Rainer Maria Rilkes Vers ‹Du mußt dein Leben ändern›. Denn Hertha Koenig, die damalige Gutsbesitzerin, war im Sommer 1917 Gastgeberin des Dichters. Wahrscheinlich liest Charlotte Rampling die 5. Duineser Elegie, die er der Gutsbesitzerin widmete.


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Schauspiel-Star auf Gut Böckel
Charlotte Rampling liest bei "Wege durch das Land"
Erschienen in "Neue Westfälische", 30. März 2011

Bünde/Rödinghausen. Auf den ersten Blick unnahbar und kühl wirkend, hat Charlotte Rampling eines der interessantesten Gesichter im Film. Sie gehört seit fast drei Jahrzehnten zu den Stars des internationalen Films. Man sah sie an der Seite von Dirk Bogarde in Liliana Cavanis "Nachtportier", in Woody Allens "Stardust Memories" und sie war die Partnerin von Paul Newman in "The Verdict". Am 2. Juli, 18 Uhr, liest die britische Schauspielerin auf dem Gut Böckel anlässlich des Literatur- und Musikfestes "Wege durch das Land".
Für ihren Auftritt in Rödinghausen habe die 65-jährige Schauspielerin sogar ein Filmfestival abgesagt. Ihr Gastspiel auf Gut Böckel gehört sicherlich zu den Höhepunkten der Veranstaltungsreihe. (…)


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Romantisches Kleinod Gut Böckel
Kleine Edition mit Fotos und Historie über die barocke Anlage in Rödinghausen
Erschienen in "Neue Westfälische", 4. Januar 2011
VON MARIA FRICKENSTEIN

Bielefeld/Kreis Herford. Nur zu besonderen Anlässen öffnen sich die Tore Gut Böckels an der Rilkestraße. Viele Menschen kennen die barocke Anlage in Rödinghausen-Bieren, vielleicht durch einen Konzertbesuch beim "Russischen Sommer" oder einer Lesung der Literaturreihe "Wege durch das Land". Möglicherweise genossen einige den Weihnachtsmarkt oder das Adventssingen in der Schlosskapelle, ließen sich vom Charme des Gutes bei einer Führung anstecken oder lasen die Erinnerungen, Romane oder Gedichte der einstigen Gutsherrin, Mäzenin und westfälischen Schriftstellerin Hertha Koenig.
"Mich hat Hertha Koenig als Dichterin fasziniert, aber auch, wie sie als Gutsfrau in der Küche mit dem Personal umgeht", erzählt die Autorin Eike Birck. Sie arbeitet als Lektorin für den Bielefelder Pendragon Verlag und ist zudem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. "Man müsste mal ein Buch über Gut Böckel machen", dachte sich der Pendragon-Verleger Günther Butkus.
Für ihn gehört Hertha Koenig seit 1992 zum Verlagsalltag, auch, weil er sich in der 1994 gegründeten "Hertha-Koenig-Gesellschaft" für die Edition des literarischen Nachlasses der Dichterin einsetzt. Eike Birck recherchierte, sprach mit den heutigen Eigentümern Ernst und Karen Leffers, erfuhr dabei so manche Geschichte wie die, dass Hertha Koenig ihr Testament mehrmals geändert haben soll.
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Ernst und Karen Leffers erwarben das Gut 1991 vom Großneffen Hertha Koenigs, dem Norweger Halvor Jørgensen. Restauriert wurde das unter Denkmalschutz stehende Schloss in Anlehnung an die Historie. Mit dem Verwalter Jürgen Schmidt führte der neue Eigentümer die Landwirtschaft und übertrug diese Aufgabe inzwischen seinem Sohn Börries Freiherr von Oeynhausen-Leffers.
Beliebt wie einst ist der schöne Garten, den der Gartenarchitekt Rudolph P. C. Jürgens gestaltete, mit repräsentativen und verwilderten Arealen und einer reichlich verzierten Gartenlaube. Eike Birck suchte die Balance zwischen gestern und heute, erzählt von der Historie des einstigen Rittergutes und vom Gut Böckel als "Kunst und Kultur Gut", das Gäste an einigen Tagen des Jahres willkommen heißt.

• Gut Böckel. Hg. von Günther Butkus mit Texten von Eike Birck. 96 Seiten, Pendragon, 8 Euro.