Böckel in der Presse – 2010

Eigentümer pflegen den Gutspark Böckel vorbildlich
Erschienen in "United Networker", 16.09.2010
http://www.unitednetworker.com/2010/09/16/eigentumer-pflegen-den-gutspark-bockel-vorbildlich/

Weil die heutigen Eigentümer, Karen und Dr. Ernst Leffers, die Gutsgebäude und den Park mit viel Engagement instand halten und in der Tradition der Vorbesitzer hier Konzerte, Kunstausstellungen und Lesungen veranstalten, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) den Gutspark Böckel jetzt als Denkmal des Monats ausgezeichnet.
“Der Gutspark Böckel ist ein bedeutendes Zeugnis für die Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts, für das Werk eines renommierten Gartenarchitekten des Historismus und ein herausragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen, gut gepflegten und im Sinne der Denkmalpflege genutzten Gutspark in Westfalen-Lippe”, so LWL-Denkmalpfleger Uwe Siekmann. (…) Eine Brücke über die Gräfte verbindet den Blumengarten mit dem landschaftlich angelegten Park, der mit zahlreichen bemerkenswerten Gehölzarten bepflanzt ist und von einem Rundweg erschlossen wird. An Einzelbäumen wie Blut-, Farn- und Trauerbuche, Silberahorn, Sumpfzypresse, Japanischer Lärche und Coloradotanne sowie Rhododendrensträuchern entlang führt der Weg zu einem Sitzplatz mit Blick auf die Gräfte und das Gutshaus.(…)


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Der Sommer der Künste
Gartenkultur ist eine runde Sache: In diesem Sommer lassen sich bei feinen Festivals sinnliche Eindrücke sammeln, die Musik, Literatur und Gartenerlebnis verbinden.
Erschienen in "Garten Eden", August 2010

Das Outfit sommerlich leicht, unkonventionell. Der Premierensekt bestens gekühlt. Sie Sonne lachend am Himmel- so schön kann Kulturgenuss sein. Vorausgesetzt, man weiß wo man ihn genießen kann. (…) Die Bandbreite des sommerlichen Kulturangebots ist dabei groß: Großveranstaltungen wie das Klassik Open-Air in der Berliner Waldbühne sind beliebt. Wer jedoch Kunstgenuss und Gartenlust verbinden möchte, sucht nach neuen Inspirationen oder nach selten gewordener Sinnenpracht, nicht aber nach Dutzendware. Eine der wichtigsten und ambitioniertesten Veranstaltungsreihen des letzten Jahrzehnts ist die Reihe "Wege durch das Land". (…) Wer wandelt nicht gerne auf den Spuren des Dichters Rainer Maria Rilke durch den behutsam restaurierten Park des ostwestfälischen Gutes Böckel und betrachtet in der ausgedehnten Pause mit einem Gläschen erfrischenden Wein in der Hand Baumriesen, die vielleicht schon des Dichters Auge geschaut hat. Ein I-Tüpfelchen ist bei den "Wegen durch das Land" auch, dass man während des Festivalverlaufs die weniger bekannten Ziele näher kennenlernt. (…)


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Dresdner Musiker gefeiert
Kapellsolisten und Wolfgang Meyer zu Gast auf Gut Böckel
Erschienen in „Westfalen-Blatt“ Nr. 154, 6. Juli 2010

Rödinghausen (BZ). Der Russische Sommer auf Gut Böckel ist in jedem Jahr für eine musikalische Überraschung gut. Erstmals spielten dort die Dresdner Kapellsolisten und wurden vom Publikum gefeiert.
Wie schon das Kammerkonzert am Freitag mit vier jungen russischen Musikern, die am Anfang einer sicheren Karriere im Musikgeschäft stehen, war das Konzert im restaurierten Kuhstall des Gutes ausverkauft.
Solist des Abends war Wolfgang Meyer, der zusammen mit den Dresdnern Mozarts viel gehörtes Klarinettenkonzert A-Dur spielte - ein Werk, das auch seine Schwester Sabine sehr oft im Programm hat. (...) Bravo-Rufe belohnen sein Spiel. Die gelten jedoch auch den Musikerinnen und Musikern aus Dresden, dirigiert von Helmut Branny, dem künstlerischen Leiter der Kapellsolisten. Wie er sind fast alle gleichzeitig Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle. (...) Ziel des Ensembles ist eine "epochengetreue Rekonstruktion des barocken, klassischen und romantischen Musikerbes". (...) Beethovens zweite Sinfonie wird unter Leitung von Helmut Branny enorm eindrucksvoll interpretiert. (...) Die Beethoven-Sinfonie wird zum Höhepunkt des Abends, stimmungsvoll gespielt, mit exaktem Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen und mit großem Tempo intoniert. Ein Ereignis, das vom Publikum gebührend gefeiert wurde. (...) Wie immer ist es nicht nur die Musik, die Menschen aus der gesamten Region zum Gut Böckel lockt. Der idyllische Park lädt in der langen Pause zum Verweilen ein, ein Gourmetservice sorgt für Speisen und Getränke. Veranstaltet wird der russische Sommer, dessen Schirmherrschaft Vladimir Kotenev, bevollmächtigter Botschafter der russischen Föderation, übernommen hat, zum elften Male von den Familien Lange und Leffers. Dr. Ernst Leffers kaufte das Gut vor rund 20 Jahren. Russischer Sommer deswegen, weil der in Petersburg lebende Leopold Koenig, der mit Zucker reich geworden war, das Gut 1874 erwarb und umbaute. Kultur spielte hier immer eine große Rolle.


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Die Besten der Besten
Junge Solisten aus Petersburg eröffnen Russischen Sommer
Erschienen in „Westfalen-Blatt“ Nr. 153, 5. Juli 2010

Rödinghausen (BZ). Wer erinnert sich noch an die Namen der jungen Petersburger Solisten des vergangenen Jahres? Sie spielen sicher nicht mehr in der selben Formation zusammen, doch Sorgen um ihre Zukunft muss sich niemand machen. Sie werden ihren Weg im internationalen Musikgeschäft gehen.
Es ist erstaunlich, dass jedes Jahr erneut junge Musiker im Kammerkonzert beim Russischen Sommer auf Gut Böckel auftreten, die an die musikalischen Leistungen ihrer "Vorgänger" nahtlos anknüpfen. Das wissen die Musikfreunde in der Region und deshalb war das Kammerkonzert in diesem Jahr schneller ausverkauft als das Sonntagskonzert mit den großen Namen.
An einem herrlichen Sommerabend begrüßte Hausherr Dr. Ernst Leffers die Gäste im Haferhaus des Gutes, bevor eine schlaksiger junger Mann etwas unsicher die Bühne betrat und sich nach einer kurzen Verbeugung an den Flügel setzte. (...) Er spielt Chopins Ballade in F-moll, eines der schönsten Stücke des Komponisten, die vom Interpreten viele Stimmungswechsel verlangt. (...) Der junge Mann spielt es mit einer großen Selbstverständlichkeit, lässt sich wenig Zeit und mag besonders die rhythmischen Passagen. Das ist an diesem Abend häufiger zu spüren, auch in der Klavierbearbeitung von Stravinskis Petruschka, die zu einem Triumph für Sergei Redkin wird. Im ersten Teil stellen sich die Solisten einzeln oder als Duo vor. Alex Zhilin spielt Cello und beginnt mit Paganinis Variationen über ein Thema aus Rossinis Oper Mose in Egitto. (...) Was ist eigentlich ein Bajan?, hat sich wohl manch ein Konzertbesucher vor diesem Abend gefragt. Albert Chatmullin macht mit diesem sehr russischen Instrument bekannt und spielt es virtuos. (...) Chatmullin spielt Bizets "Carmen" in einer Bearbeitung von Francois Borne auf dem Akkordeon. Alle beliebten und bekannten Melodien sind da- ungewohnt und so noch nie gehört. Fehlt noch der vierte Musiker. Nikita Lyutikov spielt Klarinette und wählt ebenfalls eine Bearbeitung: Bassis Paraphrase über Verdis "Rigoletto". (...) Das Publikum im Haferhaus lässt die jungen Musiker spüren dass es ihre Qualität schätzt und so spielten sie sich im zweiten Teil in einen musikalischen Rausch. (...) Wie sagte Dr. Leffers zu Beginn? Es seien die Besten der Besten aus Petersburgs Konservatorium. Die vier haben es bewiesen.


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Reise auf den Spuren Rilkes
"Wege durch das Land" führten zum Gut Böckel
Erschienen in "Meller Kreisblatt“, 27. Mai 2010

Rödinghausen. Eine von 17 Stationen des ost-westfälischen Literatur- und Musikfestes "Wege durch das Land" war am Wochenende auf Gut Böckel. Lesungen von renommierten Schauspielerinnen – unter anderen Andrea Sawatzki – und virtuose Streicherklänge im romantischen Ambiente des Gutes verzauberten das Publikum.
Im Sommer 1917 kam Rainer Maria Rilke für fünf Wochen nach Böckel. "Im eigentlichen Wohnhaus schien er mir nicht denkbar. Darum richtete ich ihm drei Zimmer im alten Turmgebäude ein", schrieb Hertha Koenig in ihren Erinnerungen. Viele Gedanken machte sie sich: Würde sich der scheue und liebenswerte Dichter auf dem Gutshof wohlfühlen? Die innige Freundschaft beider, in Briefen und Erzählungen überliefert, bildete das Hauptmotiv des festlichen Abends. Für einen gelungenen Auftakt im Roggenhaus sorgte Matthias Bundschuh. Mit feinsinniger Akzentuierung las der Schauspieler aus den Briefen Rilkes an Hertha Koenig. Den gemischten und oft schwermütigen Gefühlen des Dichters verlieh das weltweit gefeierte Streichquartett "Adritti" musikalisch Ausdruck. (…) Die ehemalige Gutsbesitzerin kam durch die charismatischen Schauspielerinnen Muriel Baumeister und Andrea Sawatzki ausdrucksstark zu Wort. Die "irdische und himmlische Liebe in der Gutsküche" vermittelte einen humorvollen Einblick in die damalige Zeit. Für die Besucher blieb es nicht beim kulturellen Genuss: In der Pause wartete im umgebauten Kuhstall ein üppiges Gastmahl mit entzückenden Vergissmeinnicht-Dekorationen auf die Gäste.Die großzügige Gastfreundschaft der Schriftstellerin und Kunstsammlerin wird in bester Tradition von den heutigen Besitzern Ernst und Karen Leffers fortgesetzt. (…) Ein rundum gelungener, anregender Abend nahm sein Ende – er hätte Hertha Koenig gefallen.


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Erinnerungen an Rilke
Zum 11. Mal führten die "Wege durch das Land" zum Gut Böckel
Erschienen in "Neue Westfälische", 25. Mai 2010

Rödinghausen. Anlässlich des 11. Males, bei dem die ostwestfälische Kulturserie "Wege durch das Land" auf Gut Böckel eine Heimat fand, lockte ein Abend voll ästhetischer Leckerbissen. Lesungen von renommierten Schauspielern – unter anderem Andrea Sawatzki – und virtuose Streicherklänge begeisterten die zahlreichen Gäste.
Als traditionsreiche Stätte kulturellen Lebens hat sich Gut Böckel in den vergangenen Jahren als eine von 17 Stationen der Veranstaltungsserie "Wege durch das Land" etabliert. Entscheidend ist dabei auch seine geschichtliche Verflechtung mit dem Lyriker Rainer Maria Rilke. Der besuchte 1917 zum ersten Mal das Gut, das sich damals im Besitz der Schriftstellerin und Kunstsammlerin Hertha Koenig befand. Die innige Freundschaft beider, in Briefen und anderen Schriftzeugnissen überliefert, bildete das Hauptmotiv der 11. Veranstaltung dieser Art. Für einen gelungenen Auftakt im Roggenhaus sorgte Matthias Bundschuh. Der Schauspieler verlas Briefe Rilkes an Hertha Koenig (…)."Unmitteilsam und ungesellig", schildert sich der Lyriker in seinen Briefen, aber auch die regenerative Wirkung seiner Aufenthalte bei der Freundin auf Gut Böckel. Den gemischten Gefühlen Rilkes verlieh das international gefeierte Streichquartett "Adritti" musikalisch Ausdruck. (…) Die ehemalige Besitzerin des Gut Böckel, Hertha Koenig, kam durch Muriel Baumeister zu Wort. Bekannt aus Filmen und TV-Serien zeigte Baumeister sich auch am Lesepult charismatisch. Und brachte Erinnerungen der Schriftstellerin an einen scheuen und suchenden Rilke zu Gehör. Ebenfalls der Feder Hertha Koenigs waren die Zeilen der finalen Lesung durch Andrea Sawatzki entsprungen. Mit der idyllisch-derben Erzählung "Die irdische Liebe in der Gutsküche", traf Sawatzki den Humor des Publikums. (…)


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Idyllischer Ort der Gastfreundschaft
Literatur und Musik: "Wege durch das Land" macht erneut Station auf Gut Böckel
Erschienen in "Bünder Zeitung", 25. Mai 2010

Bünde/Bieren (BZ). Ein Gastmahl für mehrere hundert Besucher im restaurierten Kuhstall, Lesungen und Musik der Gegenwart – für Hertha Koenig, deren Gastfreundschaft von Rainer Maria Rilke immer wieder gelobt wird, wäre es ein glücklicher Tag gewesen.
Einmal im Jahr macht das Literatur- und Musikfestival "Wege durch das Land" Station auf dem Gut von Karen und Dr. Ernst Leffers, das seit der Restaurierung offen ist für vielfältige kulturelle Veranstaltungen. "Wege durch das Land" und der "Russische Sommer" im Juli gehören zu den Höhepunkten des kulturellen und gastlichen Lebens im Kreis Herford.Nach der Absage der französischen Starschauspielerin Fanny Ardant musste das Programm umgestellt werden. (…) Verehrer von Fanny Ardant, die der gesamten Republik zum einzigen Auftritt der Schauspielerin in Deutschland gereist wären, müssen sich bis 2011 gedulden. Dann soll sie auf Gut Böckel lesen. Andrea Sawatzki, Muriel Baumeister, Matthias Bundschuh und das Adritti Quartett sorgten für einen Abend, der in Erinnerung bleiben wird.(…) Der literarische Teil stand ganz im Zeichen Rilkes und Hertha Koenigs. Rilke war im Kriegssommer 1917 einige Wochen auf Gut Böckel zu Gast. Mehr als 50 Briefe, die Rilke an Hertha Koenig schrieb, sind erhalten und wurden vor einiger Zeit im Rahmen der Koenig-Ausgabe im Bielefelder Pendragon-Verlag veröffentlicht. Matthias Bundschuh gelang es die jeweilige Stimmung des Briefschreibers Rilke spüren zu lassen. In Briefen an die "liebe Frau Hertha", die nach seinem Aufenthalt entstanden, erinnert er sich an die schöne Zeit auf Böckel, an die Möglichkeit des "Aufatmens" und seine Bewunderung für die Frau, "die an ihrem Besitz zur Freiheit gekommen ist". Sie zeigen auch die Zerrissenheit des Autors und seine nie erfolgreich Suche nach einem Stück Heimat. Muriel Baumeister, (…) las mit sanfter Stimme aus Erinnerungen Hertha Koenigs an den Aufenthalt Rilkes auf Böckel. (…) In den wenigen Minuten ihrer Lesung wird sie selbst zur Autorin, spielt ihre Rolle und nimmt den Zuhörer mit in die Welt Hertha Koenigs ihres Gastes, "der unendlich Zarte, Empfindsame". "Eine Art klösterliche Ordnung und Weihe griff absichtslos um sich", schrieb sie über Rilkes Wohnung im Turm des Gutes. "Seine Liebeswürdigkeit war echt. Nie hörte man ihn über andere schimpfen."(…)im Kuhstall wurde für die Gäste an einer weißen gedeckten langen Tafel mit buntem Blumenschmuck ein dreigängiges Gastmahl serviert. Zurück im Roggenhaus las Andrea Sawatzki, (…), Hertha Koenigs humorvollen Text "Die irdische und die himmlische Liebe in der Gutsküche", der so ganz anders klingt als ihre schwerblütigen Romane. (…)


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Ort der Dichter und Denker
"Wege durch das Land" am Samstag auf Gut Böckel
Erschienen in "Meller Kreisblatt", 20. Mai 2010

Rödinghausen. "Wege durch das Land" ist das einzige Festival deutschlandweit, das den Schwerpunkt auf Musik und Literatur legt. Briefe von Rainer Maria Rilke, Erinnerungen an Hertha Koenig und Texte von Franz Kafka bestimmen am 22. Mai die kulturellen Höhepunkte auf Gut Böckel.
Der Dichter Rainer Maria Rilke besuchte die Schriftstellerin Hertha Koenig im Herbst 1917 fünf Wochen lang auf Gut Böckel. Diese Zeit beleuchtet der Abend unter dem Motto "Denn bleiben ist nirgends". "Gut böckel war mit Hertha Koenig ein Ort fantastischer Gastfreundschaft", wusste Dr. Brigitte Labs-Ehlert, künstlerische Leiterin des Literatur- und Musikfestes. Neben Rilke besuchten auch der Philosoph Martin Heidegger und der erste Bundespräsident Theodor Heuss das Gut.
Am 22. Mai wird die Berliner Schauspielerin Andrea Sawatzki in einer deutschen Erstaufführung zunächst Rilke, Franz Kafka und Marina Zwetajewa rezitieren. (…) Nach etwa eineinhalb Stunden im Kuhstall des Gutes verteilt sich die Festgesellschaft auf das Roggen- und Haferhaus, wo ein westfälisches Gastmahl und eine kleine Überraschung warten. Danach lesen die Schauspieler Matthias Bundschuh, (…) und Caroline Ebner, (…) im Wechsel: Bundschuh trägt Briefe von Rilke an Hertha König vor, Ebner liest aus Königs Erinnerungen an ihren Freund Rilke. Der Abend "Denn Bleiben ist nirgends" auf Gut Böckel am 22. Mai beginnt um 18 Uhr und endet gegen 22:30 Uhr.


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Literatouren
Lese-Wege in Ostwestfalen-Lippe
Erschienen in "FAZ", 12. Mai 2010

Fischbeck und Vinsebeck, Merlsheim und Nieheim – die große Musik spielt anderswo, die kleine, feine aber kommt hier zum Klingen. Jedes Jahr im Frühsommer (…), wenn in Schloss Corvey bei Höxter das Literatur- und Musikfest "Wege durch das Land" beginnt. Danach wird, von Brigitte Labs-Ehlert kundig geführt, Ostwestfalen Lippe durchstreift: (…) mit Briefen von Rainer Maria Rilke auf Gut Böckel (…).


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Sawatzki liest Briefe auf Gutshof
Erschienen in "Neue Osnabrücker Zeitung", 11. Mai 2010

In Schlössern, versteckten Gutshöfen, weltabgewandten Klöstern und Fabrikgebäuden finden in sommerlich-ländlicher Atmosphäre Wort und Ton auf das Schönste zusammen. Das ostwestfälische Literatur- und Musikfestival "Wege durch das Land" (…) steht in diesem Jahr unter der Überschrift "Eine Handvoll Welt und eine Portion Zeit". (…) Auf Gut Böckel bei Herford ließ sich Rainer Maria Rilke 1917 von der Dichterin Hertha Koenig einladen und hätscheln. "Ob der unendlich Zarte, Empfindsame sich behaglich fühlen würde auf unserem niedergelegenen Gutshof mit seinen schwerfälligen Dasein, zumal in der besonderen Verdunklung jenes vorletzten Kriegsjahres?", sorgte sich Koenig. Briefe beider Autoren liest Schauspielerin Andrea Sawatzki am 22. Mai, begleitet vom Arditti-Quartett mit Werken von Schnittke, Berg und Birtwistle. (…)


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Der treue Sohn
Die bisher unveröffentlichten Briefe Rainer Maria Rilkes an seine Mutter,
an Eva Cassirer und Hertha Koenig
Erschienen in „Die Zeit“, 14. Januar 2010

(...)Zeugin des Konflikts mit der Mutter, möglicherweise auch Veranlasserin, ist Hertha Koenig, eine Schriftstellerin, Gutsbesitzerin im Westfälischen, Kunstsammlerin, Enkelin des Petersburger Zuckerkönigs. Von den Briefen an sie aus den Jahren 1914 bis 1921 sind 54 erhalten, die ihren sind verloren gegangen. Es sind Briefe der Not und Verwirrung, auch der Verdüsterung. Rilke macht sich offen, schutzlos gegenüber der Briefpartnerin. Er musste bei Kriegsbeginn als österreichischer Staatsbürger sein Pariser Domizil aufgeben, unter Hinterlassung des größten Teils seines Eigentums. Hertha Koenig lädt ihn häufig auf ihr Gut Böckel in Westfalen ein, stellt im Kriegsjahr 1915 Rilke ihre Stadtwohnung an der Münchner Widenmayerstraße mit Blick auf das Isarufer zur Verfügung. In ihrer Wohnung residiert er glücklich unter dem Picasso-Gemälde La familie des saltimbanques und rät in einem Brief, der seine erlesene Kunstkennerschaft unter Beweis stellt, ein weiteres Bild von Picasso zu kaufen, auch einen Chagall. Andere zeichnen Kriegsanleihen, verlieren damit ihr Vermögen. Die eindeutige Kriegsgegnerschaft, die Furcht, noch einmal zum Militärdienst eingezogen zu werden, Kunst und die genzenlose Dankbarkeit Rilkes der Gönnerin gegenüber sind die Grundmelodie dieses Briefkonvoluts aus dem Nachlass Hertha Koenigs im Malbücher Literaturarchiv, das Theo Netterer klug und abgewogen kommentiert hat. »Briefe aus der unruhigen Finsternis meiner verhängten Natur«. (Ursula Krechel)