Böckel in der Presse – 2009

Keine Mitte in ihm
Wiedergefunden: Rilkes Briefe an Hertha Koenig
Erschienen in „FAZ“, 27. Oktober 2009

Kein Wunder, dass Rainer Maria Rilke gern auf Gut Böckel war, einem Gehöft aus barocker Zeit inmitten schönster ostwestfälischer Natur, wo er in schweren Zeiten beglückt die Gastfreundschaft von Hertha Koenig erlebte: Die Eigentümerin des Guts, die auch als Lyrikerin und Romanautorin tätig war, lernte er 1910 auf einem Fest im Haus des Verlegers Samuel Fischer in Berlin kennen. Sie war damals fünfundzwanzig Jahre alt, er fünfunddreißig. Später entwickelte sich eine vertrauensvolle Freundschaft zwischen der jungen Autorin und dem bedeutenden Dichter - und Rilke durfte den Sommer oft in ihrer Münchner Wohnung verbringen, die ihr als Wohndomizil diente: "Es wohnt sich wunderbar in den weiten Zimmern, im Geräusch von Fluss und Baumwind", schrieb er ihr einmal. Dort hing auch Picassos Gemälde "La famille des saltimbanques", das ihn zu den Eingangsversen der Hertha Koenig gewidmeten fünften Duineser Elegie inspiriert haben soll: "Wer aber sind sie, sag mir, die Fahrenden, diese ein wenig Flüchtigern noch als wir selbst...?" Zweiundfünfzig Briefe schrieb Rilke zwischen 1914 und 1921 an Hertha Koenig, und bis auf wenige Ausnahmen hielten sie einen langen Dornröschenschlaf im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, während ihre Antwortbriefe nicht erhalten sind. Die Rilke-Briefe hat Günther Butkus vom Bielefelder Pendragon-Verlag vor kurzem wiederentdeckt und sie in einem attraktiven Buch veröffentlicht, das nun mit Lesung, Vortrag und Musik in Böckel vorgestellt wurde, das seine jetzigen Eigentümer Ernst und Karen Leffers als "Kunst & Kultur Gut" betreiben.

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Familiäre Atmosphäre
Konzert der NWD-Philharmonie auf Gut Böckel
Erschienen in „Neue Westfälische“, 25. August 2009

Rödinghausen (hd). (...) Am Sonntag feierte das Publikum zum Abschluss des "Russischen Sommers" auf Gut Böckel den jungen Violin-Solisten Linus Roth und die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann. Roth gehört zu den interessantesten Nachwuchskünstlern und erhielt bereits mehrere Preise. Mit Brahms Violinkonzert D-Dur op.77 überzeugte er auch auf Gut Böckel das Publikum mit seiner Stilsicherheit und technischen Brillanz. "Dieser Rahmen erinnert mich an das Schleswig-Holstein Festival. Aber die familiäre Atmosphäre hat noch etwas ganz Besonderes und wirkt sich positiv auf das Spiel des Künstlers aus, " weiß Roth zu schätzen. "Ein Konzert in einem Kuhstall verbreitet ein besonderes Flair." In der Pause vermischten sich Orchester mit Gastgeberfamilie und den Gästen. Viele nutzten die Gelegenheit, um ausgefallen zu speisen oder bei strahlendem Sonnenschein den malerischen Park zu genießen. Im zweiten Teil fesselte die Symphonie "fantastique" op.14 von Hector Berlioz die Musikliebhaber. (...) Die mitreißende Spielfreude des Orchesters begeisterte die Zuhörer. (…) Nicht enden wollender Applaus und Standing Ovations belohnten die Künstler, die diesen Abend zu einem Hörgenuss machten.

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Gaumen- und Ohrenfreude
"Russischer Sommer" auf Gut Böckel erfüllt wieder alle Erwartungen
Erschienen in „Neue Westfälische“, 24. August 2009

Bünde/Rödinghausen. (...) Es ist Tradition zu diesen Sommerkonzerten, die schon Monate vorher ausverkauft sind, junge Künstler aus St. Petersburg nach Böckel einzuladen. Bei dem so genannten "kleinen Konzert" begeisterten heuer die "Petersburger Solisten" im Haferhaus auf Gut Böckel das Publikum. Unter Leitung von Evgenij Siaisky am Flügel machten Alexander Wassiljew (Klarinette), Alexei Sokolov (Saxophon) und Dimitri Nilov (Marimba) bereits international auf sich aufmerksam. Die jungen Künstler beherrschten ihre Instrumente excellent und wie selbstverständlich und es verwunderte die Zuhörer nicht, dass die Nachwuchstalente schon auf hochkarätige Auszeichnungen zurückblicken können. (...) Dimitri Nilov spielte ein auf Marimba umgeschriebenes Werk von Johann Sebastian Bach und hielt die Zuhörer in Atem. (…) Die Begeisterung des Publikums steigerte sich von Stück zu Stück und fast hatte man den Eindruck, der frenetische Applaus aller Zuhörer sei den jungen Musikern etwas peinlich. Das historische Ambiente von Gut Böckel rundete den Abend ab, in der Pause flanierten Künstler und Gäste am lauen Sommerabend durch den gepflegten Park und stärkten sich im Roggenhaus mit Leckereien, bevor sie sich wieder dem hochkarätigen Hörgenuss hingaben.

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Junge Musiker spielen groß auf
"Russischer Sommer" auf Gut Böckel: zwei Konzerte der Extraklasse
Erschienen in „Westfalen-Blatt“, 24. August 2009

Rödinghausen (WB). Erneut hat das Gut Böckel mit einem kulturellen Ereignis geprunkt: Beim "Russischen Sommer" bewies die Nordwestdeutsche Philharmonie einmal mehr, wie gut sie ist.
Der "Russische Sommer" auf dem ehemaligen Rittergut Böckel in Rödinghausen (Kreis Herford) gehört seit langem zu den interessantesten Musikereignissen in Ostwestfalen-Lippe. Als die Familie Leffers hier im Jahr 2000 zum erstenmal ein großes Philharmoniekonzert organisierte und damit an eine Tradition Hertha Koenigs anknüpfte, die das kulturelle Leben auf Gut Böckel gepflegt hatte, war das Risiko groß. Würde das Publikum in einen restaurierten Kuhstall kommen, um Musik zu hören? Es kam und es kommt immer wieder gern, denn die Atmosphäre des familiengeführten Gutes macht den "Russischen Sommer" zu einem exklusiven Ereignis. (…) Es dirigierte Frank Beermann, der gern junge Solisten mitbringt, die auf der Schwelle zum Starruhm stehen. Diesesmal war es der "Echo"-Preisträger Linus Roth (32) aus dem baden-württembergischen Ravensburg. Der junge Geiger hat inzwischen viele Wettbewerbe gewonnen; auf Gut Böckel spielte er auf seiner 300 Jahre alten Stradivari das Vionlinkonzert von Brahms, eines der schönsten Werke für Violine. Roth gehört zu einer Generation junger Musiker, die Perfektion mit dem Willen zur Schönheit paaren. (…) Nach der Pause stand mit der "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz eines der großen Werke der Orchesterliteratur auf dem Programm. In großer Besetzung gespielt, beweist die NWD, dass sie ein Spitzenorchester ist. (…) Der "Russische Sommer" begann bereits am Freitag mit einem außergewöhnlichen Kammerkonzert: Drei junge Solisten, die (noch) niemand kennt, spielten vor vollem Haus Werke, die kaum jemand kennt. (…) alle drei Eliteschüler aus Petersburg, spielten sich in einen wahren Rausch, und das Publikum wollte sie nicht wieder gehen lassen.

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Oper und Literatur
Kulturgenuss im umgebauten Kuhstall
Erschienen in „Neue Osnabrücker Zeitung“, 18. Juni 2009

Rödinghausen (maka). (…) 400 Besucher waren auf Gut Böckel, um in stimmungsvoller Atmosphäre kulturelle Höhepunkte zu erleben. Die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozená singt sonst in den großen Häusern dieser Welt. Sie im restaurierten Kuhstall auf Gut Böckel hautnah erleben zu dürfen war für viele Besucher Grund genug, von weit her anzureisen. (…) Rainer Maria Rilke, der 1917 auf Einladung Hertha Koenigs nach Böckel kam, war Bewunderer Michelangelos und übersetzte dessen Sonette nicht nur, sonder dichtete sie nach. Der österreichische Schauspieler Michael Dangl gab ihnen mit großer Vortragskunst Leben. (…) Ein begeistertes Publikum dankte mit Standig Ovations für die zu Herzen gehende musikalisch-literarische Reise von Russland nach Italien.

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Kulturelles Rendezvous
Erschienen in "Neue Westfälische", 13. Juni 2009

Rödinghausen. Musik und Literatur am Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Gegenwart erlebten rund 400 Besucher am Donnerstagabend, als die "Wege durch das Land" zum Gut Böckel führten. Bereits zum zehnten Mal machte das renommierte Festival Halt in Rödinghausen – und erneut wartete es mit bekannten Musikern, Schauspielern und historischen Schriftstellern auf. Nicht umsonst gilt das Gut Böckel beim Festival-Veranstalter, dem Literaturbüro Ostwestfalen-Lippe, als ideale Zwischenstation der kulturellen Reise durch die "Mitte Europas". Die Heimat der Schriftstellerin Hertha Koenig beherbergte zeitweise auch den Lyriker Rainer Maria Rilke und bietet damit sowohl geschichtliche, als auch literarische Komponenten. (…) Mit Magdalena Kozená gelang es den Veranstaltern, eine der renommiertesten Sängerinnen der Gegenwart zu verpflichten. Mit ihrer mitreißenden Mezzosopran-Stimme entführte sie die begeisterten Besucher ins Italien des 17. Jahrhunderts, indem sie Kompositionen berühmter Künstler, wie Santiago de Murcia, Claudio Monteverdi, Guilio Caccini oder Biagio Marini zum besten gab.

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Musikalische Sternstunden
Erschienen in „Westfalen-Blatt“, 13. Juni 2009

Rödinghausen (BZ). Kann es sein, dass mehrere Hundert Menschen gebannt den Sonetten Michelangelos lauschen? Bei "Wege durch das Land" ist alles möglich. Selbst vermeintlich sperrige Texte finden ihr Publikum. Seit zehn Jahren macht das Festival regelmäßig Station auf Gut Böckel in Bieren. (…) Michael Dangl, der österreichische Schauspieler, gab den Sonetten Leben, drang zu ihrem Kern vor, die auch von Michelangelos Arbeitsweise erzählen und von seinem Gottesverständnis. (…) Der melancholische Grundton wird zu einem ruhigen, lyrischen Fluss der Wörter, deren Schönheit sich durch die Stimme Michael Dangls entfaltet. (…) Die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kozená singt in den großen Häusern dieser Welt. Sie, den großen Star der Opernwelt, im Kuhstall auf Gut Böckel zu erleben, war für viele Besucher Grund genug, von weither zu kommen. Kozenás Timbre ist wirklich atemberaubend, sie macht jedes der italienischen Lieder aus dem 16. Jahrhundert zu einer musikalischen Sternstunde. (…) Ihr Konzert ist ein unvergessliches Erlebnis. Kongenial begleitet wird sie dabei vom internationalen Ensemble "Private Musicke". (…) "Ich lebe aus dem Mond, du aus der Sonne" heißt ein Gedichtzyklus der russischen Autorin Anna Achmatowa (1899–1966). Die Schauspielerin Sybille Canonica sprach zunächst über das schicksalhafte Leben der Autorin (…). In der Interpretation der Gedichte ließ Sybille Canonica die Zerrissenheit Achmatowas und ihren lakonischen, oft knappen Stil spürbar werden. (…) auf Gut Böckel ist im Pferdestall ein Kinderprogramm hinzugekommen. Die Eltern gaben ihre Sprößlinge ab, die dort mehrere Stunden lang betreut wurden. (…) Zu Besuch kamen Schauspieler Michael Dangl, der mit den Kindern las und spielte und Geschichten vom lieben Gott erzählte, sowie vier Musiker von "Private Musicke", die den Kindern einige Lieder spielten.

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