23. & 24. Mai 2015 - 18:00

Wege durch das Land


Lesung
Irina Liebmann
Drei Schritte nach Rußland


Konzert
Opus Posth.
Tatiana Grindenko Violine / Leitung
Wolfgang Amadeus Mozart Divertimento D-Dur, KV 136
Wolfgang Amadeus Mozart Streichquintett Nr. 2 c-Moll, KV 406/516b


Neu gelesen
Martina Gedeck und Ulrich Noethen
Lew N. Tolstoi Anna Karenina
In der Übersetzung von Rosemarie Tietze



Konzert
Opus Posth.
Tatiana Grindenko Violine / Leitung
Vladimir Martynov Come in!für Violine, Celesta und Kammerorchester
Vladimir Martynov Bellezza für Kammerorchester

 

Pause 19.30, Ende ca. 22.00 Uhr
50 / 40 / 27 / Carte blanche 15 €


So war der Weg ein guter Weg
Als Rainer Maria Rilke die mit ihm befreundete Hertha Koenig auf ihrem Gut Böckel im Sommer 1917 besuchte, brachte er eine Art Talisman mit, eine Fotografie, die er auf seinen Schreibtisch stellte: sie zeigt ihn neben dem russischen Bauerndichter Droshin, und er erzählte seiner Gastgeberin: ‹Er trug immer ein Buch, damit alle sahen, daß er ein Dichter ist. Das ganze Dorf machte sich eine Ehre daraus, seinen Hof zu versorgen. Sie taten alle Arbeit für ihn, damit er nur ja dichten konnte.› Tief beeindruckt fühlte sich Rilke von Rußland, wo er zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben ‹irgendwo zu Hause war›, und er begegnete dort Lew Tolstoi, mit dem er über die Vergißmeinnichtwiesen von Jasnaja Poljana ging. Dem jungen Rilke wurde der greise Tolstoi zum Vorbild: ‹Hier begriff ich, daß man sein Leben so weit als möglich leben müsse, nicht dem Tage nach, sondern in die Tiefe›. Eine der größten Frauengestalten der Weltliteratur ist ‹Anna Karenina›. Die Tragödie einer Frau wird in Tolstois Roman zum unerbittlichen Porträt der adligen Gesellschaft im Rußland des 19. Jahrhunderts. Ulrich Noethen, der ‹feinfühlige Stimmausleuchter›, hat Tolstois Roman als Hörbuch gesprochen, Martina Gedeck mit ihrer warmen tiefen Stimme fühlt sich in ihren Kinorollen und Lese-Protagonisten immer von der dunklen Seite der Figuren angezogen. Was ist Rußland, fragt Irina Liebmann und nähert sich dem Land, in dem sie als Tochter eines deutschjüdischen Kommunisten und der aus Sibirien stammenden Mutter geboren wurde, mit Angst und Fragen. Man erfährt viel über das heutige Rußland und die oft zitierte russische Seele, wenn man das Verhalten der Menschen an Küchentischen, auf Datschen, in der Provinz und in den Gotteshäusern beobachtet. Tatiana Grindenko ist eine der besten russischen Geigerinnen. Als Solistin spielt sie u. a. mit den Wiener Philharmoniker, der Staatskapelle Dresden, den Symphonieorchestern von Brooklyn, Los Angeles, Mailand, Rom, Moskau und St. Petersburg. Sie gründete die Moskauer Akademie für Alte Musik, aus der das Ensemble Opus Posth. hervorgegangen ist, das in einer Besetzung von zwölf Musikern auftritt. ‹Come in!› und ‹Bellezza› sind zwei großartige Stücke, die die Poesie von Schumann und Brahms weiterführen in unsere Tage.